

Jede Gesellschaft bringt künstlerische Visionen von dem hervor, was sie von der Zukunft erwartet. Für den Osten Deutschlands lässt sich das beispielhaft am Dresdner Kulturpalast ablesen, der vor fünfzig Jahren seine Tore öffnete. Aus diesem Anlass wurde ein monumentales Wandbild von 30 mal 10,5 Metern in Auftrag gegeben. Seit der Rekonstruktion des Bauwerks 2017 erscheint es in neuem Glanz. Sein Titel lautet „Der Weg der Roten Fahne“.
Rote Ritualobjekte wurden obligatorischer Teil eines jeden feierlichen Zeremoniells, dessen Suggestivkraft gerade in seiner ständigen Wiederholung lag.“ Auf dem Wandbild wird die flatternde Fahne von einer jungen Kommunistin hochgehalten: als Fetisch und Identitätsabzeichen der Macht.
Viele Ostdeutsche können sich lebhaft an Trommeln, Fanfaren, DDR-Emblem und Fahnenappell erinnern. Diese Elemente trugen als emotional aufgeladene Kulisse dazu bei, ein starkes Gefühl zu erzeugen. Auf dem Wandgemälde ist zu lesen: „Trotz alledem: Wir sind der Sieger der Geschichte!“ Überall daneben sind sozialistische Ikonen abgebildet – Vater- und Mutterfiguren, deren Namen damals jedem Erstklässler vertraut waren: Karl Marx und Friedrich Engels, Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, Ernst Thälmann mit geballter Faust und der Revolutionär Lenin mit seiner Mütze. Quelle: herder.de
Gerhard Bondzins Wandbild „Der Weg der Roten Fahne“ von 1969 war einer der bedeutendsten Großaufträge für baubezogene Kunst in der ehemaligen DDR und gehört heute zu den wichtigsten erhaltenen Beispielen sozialistischer Monumentalkunst. Es stellte die DDR in den Kontext des auf dem historischen Materialismus beruhenden Geschichtsbilds. Die Absicht, die „untrennbare Einheit von Klassenkampf, gesellschaftlichem Fortschritt und Kultur mit den Mitteln der bildenden Kunst in eine harmonische Verbindung zum neu erbauten Kulturpalast zu bringen“, blieb dennoch nur ein Vorhaben. Das entstandene Wandbild ist letztlich ein Bild auf der Wand, das formalästhetisch keine synthetische Verbindung mit dem Funktionsbau eingeht. Provoziert das Wandbild bis heute im städtischen Kontext, bleibt die kunsthistorische Bedeutung ebenso umstritten wie die angestrebte Einheit von Architektur und bildender Kunst dieses Großprojekts. Umso mehr lohnt sich der Blick auf den Entstehungskontext und das Ringen zwischen Ideal und Wirklichkeit.Quelle: stsg.de
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