Velo parkt mit Gleisanschluss

VELOP.CH

Rechtsabbieger am St. Alban Graben

Die Begeisterung für die Tiefgarage am St. Alban Graben hält sich für Velofahrer in Grenzen. Rechtsabbieger sind für die häufigsten Velounfälle verantwortlich.

.

Einen vergleichbaren Aufwand für den Bau eines Parkings hat die Stadt wohl noch nie erlebt und mit Sicherheit ist mit ähnlicher Penetranz kaum je Veloinfrastruktur umsetzbar. Das Konzept, die Strassen mit Garagen zu unterkellern, besticht trotzdem. Oberirdische Parkfelder sind wieder zum Flanieren oder für Baumpflanzungen nutzbar.

Weniger gut scheint hingegen die Lage der Ein- und Ausfahrt gewählt: Trottoir und eine wichtige Velopendlerroute queren, um zu einer Tiefgarage einer Einkaufsstrasse zu gelangen, das hätte unbedingt vermieden werden müssen. Im Vergleich dazu mutet die frühere Einfahrt ins CS-Parking an der Freie Strasse (Pfeil hellgrau) als geradezu unproblematisch an. Pauschal betrachtet sind etwas abseits der Verkehrsachsen gelegene Einfahrten ins UG die bessere Lösung. Das sieht man bei den grossen Kaufhäusern im Gundeli und anderswo in der Stadt. Nicht weit entfernt ist sehr geschickt eine Ein- und Ausfahrt zur Bedienung zahlreicher Wohnblocks beidseitig des Goldigen Löwen sehr diskret und praktisch an der Malzgasse platziert, was zeigt: Auch wenn ein Parkhaus autonom bewirtschaftet sein soll, ein Zusammenschluss mit benachbarten Tiefgaragen zum Einsparen von Zufahrtsrampen ist möglich.

Anderswo gibt es die Extraspur, was beim Storchenparking zu bewundern ist. Die Autos in der Warteposition stören dort den Verkehrsfluss der zahlreichen Velos, ÖV und Fussgänger nicht. Ob beim Parking St. Alban-Graben noch eine Lichtsignalanlage aufgestellt werden muss? Beim einem vergleichsweise schwach frequentierten Parking Elsässertor zum Beispiel ist das so. Noch innovativer wäre es, das Parkhaus für Auto/Velo gemischt zu nutzen. Es wäre  Vorsicht geboten und verinnerlicht, dass auf städtischem Boden immer mit Fussgängern und Velos zu rechnen ist. Die Tiefgarage auch für Velos zu öffnen wäre eine noble Geste.

Nebst den Vorbehalten an der Verkehrssicherheit wird auch die Kompensation oberirdischer Parkplätze noch zu reden geben. Mit dem Bau des Parkings im St. Alban-Graben ist per Grossratsbeschluss festgelegt worden, dass innerhalb von einem Radius von rund 500 Meter von 350 PP im Parkhaus neu entstehenden mindestens 210 PP auf Allmend aufgehoben werden müssen. Der dadurch gewonnene Freiraum muss der Aufwertung des öffentlichen Raums dienen. Bei genauer Auslegung ist diese Forderung nicht erfüllt. Der Verkehr auf der Strasse wird auch immer mehr statt weniger. Woher kommt das? Vorausgeschickt sei, dass Zahl AutoPP in privaten Tiefgaragen gemäss Auskunft des Grundbuch- und Vermessungsamts des Kantons Basel-Stadt nicht erfasst sind. Praktisch alle im Quartier erstellten Neubauten der letzten Jahre haben grosszügig zugebaute Mieter- und MitarbeiterPP.

Wie absurd die Rechnung zu kompensierender Parkplätze sein kann, zeigt der gelistete Parkweg (10 PP). Dort wurde eine Begegnungszone erstellt, zu deren Erstellungskosten der Kanton Basel-Stadt knapp 2 Mio CHF beigesteuert hat. Dortige PPs sind selbstredend ins UG verbannt. Unter dem Boden hat es neben den MitarbeiterPP ein Mini-Veloparking sowie Platz für die Spedition. Der grösste Teil der Begegnungszone ist wegen der Tiefgarage darum nicht durchlässig für Wurzelnwerk oder Sickerwasser. Zudem kann von einer Verbesserung der Velosicherheit nicht die Rede sein, im Gegenteil. Mit den im UGs -1 bis -3 untergebrachten PPs wird für Autopendler und Autotouristen des Mövenpick-Hotels in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Basel SBB der rote Teppich ausgerollt. Derselben Logik folgend sind auch beim Südpark, dem Meret-Oppenheim-Hochhaus, dem Elsässertor und im geplanten Umbau des Areal Nauentor ein Ausbau von Parkplätzen zu sehen. Also rund um das Gleisfeld, wo seit Jahren um dringend benötigte Velostation gefordert wird (siehe Gesucht: Basler Velokonzept).

.
.
Verwandte Themen
Gesucht: Basler Velokonzept
Beton für die Spedition
Spedition am Bahnhof
.
Artikel zum Thema
Parkplatzabbau geht weiter telebasel.ch am 18.12.2021
PP auf Allmend nicht kompensiert provelo-beiderbasel.ch am 19.11.2021
Eröffnung Parking Kunstmuseum parking-kunstmuseum.ch am 11.12.2021
Das neue Parking Kunstmuseum hochparterre.ch vom 9.12.2021
Kunstmuseum Parking vor der Eröffnung onlinereports.ch am 8.12.2021
Antikenmuseum wegen Erschütterungen geschlossen bzbasel.ch am 6.7.2020
Totalsperrung am Bankenplatz onlinereports.ch am 9.4.2020
Verzögerungen beim Basler Kunsthausparking in der bzbasel.ch vom 11.12.2019
Parkplätze sind in Basel kein Wohnraum mehr in der tageswoche.ch vom 27.2.2018
Das Kunstmuseum Parking kommt tageswoche.ch am 27.1.2016
Initiative für eine offene Mittlere Brücke srf.ch/news am 25.3.2013
Das Kunstmuseum Parkhaus setzt sich durch tageswoche.ch am 8.2.2013
Parkhaus-Projekt beim Kunstmuseum tageswoche.ch am 18.7.2012
.
Verwandte Artikel zum Thema
Jetzt verschwinden Parkplätze tagesanzeiger.ch (Paywall) am 6.7.2021
Parkplatzkompromis beerdigt tagesanzeiger.ch am 30.6.2021
Zuviele Fahrten in die Tiefgaragen tagesanzeiger.ch am 20.6.2021
95% der neuen Parkplätze aufheben bazonline.ch vom 28.5.2021
Stadt Zürich kündigt Parkplatzkompromiss im tagesanzeiger.ch vom 7.11.2019
Angriff auf die rot-grüne Zürcher Verkehrspolitik tagesanzeiger.ch vom 3.9.2019
Basler Regierung senkt Abend-Parkgebühren. baz.ch vom 02.07.2019
Abbau von Parkplätzen in der City tagesanzeiger.ch vom 24.6.2019
Stadtzuger lehnen Parkraum-Initiative ab luzernerzeitung.ch  vom 10.02.2019
.
Verwandte Themen im Allgemeinen
Garagen als Kapitalanlage funktionierende-kapitalanlagen.de
.

Geschrieben von VELOP.CH am Montag Juli 15, 2019

Permanenter Link - Category: massnahmen

« P wie Passerelle West - Halbautomatisch top – vollautomatisch flop »