Velo parkt mit Gleisanschluss

VELOP.CH

Sharing-Angebote stehen in den Startlöchern

Bei AVIS, Eurocar oder Hertz ein Auto mieten war gestern. Heute rollen innovativere Sharing-Konzepte an. Mit den smarten Angeboten – für die einen das Sahnehäubchen und für die andere der Anfang vom Ende – scheint eine neue Zeitrechnung angebrochen zu sein.

.

Energieversorger fahren vorne mit

Ob pendeln, einkaufen oder einfach so zum Spass: Pick-e-Bike ist dein Sharingsystem für E-Bikes und E-Scooter in der Region Basel verspricht Pick-e-Bike, eine Initiative der BLT (ÖV Nordwestschweiz), EBM (Baselbieter Energieversorger) und der Basler Kantonalbank. Kannibalisiert sich die BLT selbst, wenn die Fahrgäste damit auf das Tram verzichten? fragt sich Benjamin Wieland von der BZ. Es wird sich zeigen. Gemeinsam ist den Sharing-Angeboten die IT-Technologie zur Auswertung der Benutzerdaten. Damit sollen Verbesserungen beim Serviceangebot möglich werden. Die Flotte ist elektrisch, stadtgerecht oder kurz smart.

.

2019 startet auch die ZHAW mit ihrem dreirädrigen BiCar, falls es mit der Strassenzulassung klappen sollte. Ebenso die EBS (Energie Service Biel/Bienne) kündigt ihre Innovation an, ein 4-rädriges Fahrzeug enuu, welches mit dem geplanten FH-Campus Biel die Mobilität der Stadt mitprägen könnte. Dank seiner geschlossenen Fläche hat das ennu das Potential durch Werbung finanziert auch in anderen FH-Städten aktiv zu werden.

.

Da wo sich Sharing-Angebote anbieten möchten sind die Strassen bereits voll. Das muss sich ändern. Bild: Stau an der Nauenstrasse beim Bahnhof SBB am 27.3.2019.

.

Sharing und sozial – passt das zusammen?

Die Vielfalt fordert auch Opfer. Der Sharing-Pionier Catch-a-car sieht sich in Basel derzeit gezwungen, Sparmassnahmen einzuleiten und von dreissig auf noch zehn elektrische Autos herunterzufahren. Das Unternehmen kann damit das Versprechen nicht halten, einen Fünftel der Fahrzeugflotte zu elektrifizieren. Die Genossenschaft Mobility, welche Catch a Car übernommen hatte, schreibt, sie habe kurz vor dem Entscheid versucht, mittels Preiserhöhungen die Anschaffung weiterer Elektroautos zu ermöglichen. Das klingt wenig glaubwürdig, wenn an anderen Standorten mehrheitlich Limousinen angeschafft werden. Auch das Engebot mit 200 E-Scooter in Zürich wird Ende 2019 wieder eingestellt.

Viele Sharing-Angebote werden durch Bewirtschaftung von Werbeflächen finanziert, damit sie überleben können. Das ist nicht überall zulässig. Basel-Stadt beispielsweise überlässt einem 'Sockel'-Anbieter das Feld – akzeptiert auch eine kleine Zahl Bikes weiterer Anbieter oder etwa eine Zahl enuus auf der Allmend – untersagt aber das Anbringen von Fremdwerbung. Kann das gut gehen? Auch bei scheinbar solid aufgestellten Anbietern wie Pick-E-Bike stehen die Zeichen auf Bewirtschaftung durch Fremdwerbung, wie aus der Presse (bzbasel.ch vom 2.9.2019) zu entnehmen ist. Die Cargobike-Sharing-Initiative des TCS cargo2go weiss die Spitzfindigkeiten der Behörde zu nutzen: Erlaubt ist der Auftritt für TCS, IWB und ProInnerstadt zwar nicht als Sponsor, aber als Partner und Teilhaber. Also aufgepasst, trotz aller Euphorie und Überfluss läuft jedes Sharingmodell Gefahr, bald wieder Geschichte zu sein.

.

Veloleihsystem in Luzern karitativ geführt und dank Werbung finanzierbar.

.

Gewerbefreundlicher gibt sich die Stadt Luzern mit den Anbieter Nextbike. Darauf angebrachte Flächen (Bild oben) darf für Werbung verpachtet werden, was mit einer guten Vernetzung lokaler Geschäfte einher geht. Beim Sponsoring laufen die Fäden hier bei der Caritas zusammen, die auch bei der beruflichen Integration aktiv ist und Jobs für den Unterhalt schafft.

.

Das Veloverleihsystem der Post mit den Sponsoren Migros, EWS und Kantonalbank. ist mit 3500 Leihvelos der grösste Anbieter in der Schweiz. Bild: Velostation bei der Sihlpost in Zürich

.

Andere Ländern sind generell weniger restriktiv als die Schweiz. Es dürfen Velos auch mit Werbetafeln abgestellt werden, vorausgesetzt sie sind nicht mit so großen Werbetafeln ausgestattet, dass sie sich nicht mehr als Verkehrsmittel nutzen lassen. Städte in Frankreich und Italien wiederum, welche das Label Weltkulturerbe tragen, verbieten Werbung aus optischen Gründen.

.

Ein grosses Veloverleihsystem für Basel

der Gesamtdienstleister wies in seinem Angebot ungedeckte Kosten in Höhe von 2.154 Mio. Franken aus. Der trinational besetzte Pendlerfondsrat hat sich für einen Finanzierungsbeitrag an das Projekt Veloverleihsystem Basel ausgesprochen. Der Kanton-Basel Stadt folgt dieser Empfehlung am 11. August 2020 und unterstützt das Projekt mit dem notwendigen Beitrag aus dem Pendlerfonds.

Läuft alles nach Plan stehen die ersten Fahrräder voraussichtlich Mitte 2021 bereit. Das Veloverleihsystem Basel soll schrittweise auf 2‘000 Fahrzeuge ausgebaut werden.

Weiterführende Informationen
Der Kanton Basel-Stadt und Veloleihsysteme

.

Weitere Artikel zu Auto- / Kleinautoleihsystemen
Dichtestress auf Basels Veloparkplätzen bzbasel.ch vom 5.9.2020
Das Wertesystem des ÖV infosperber.ch vom 11.6.2020
Zürich bremst Kleinstauto-Offensive tagesanzeiger.ch am 22.2.2020
Zukunft der Elektromobilität mit bicar auf toponline.ch am 20.8.2019
Umweltschutz verlangt nach Skurrilität auf der nzz.ch vom 2.7.2019
Kleinstautos in Basel basellandschafltiche.ch vom 20.6.2019
Bolt Mobility: Elektroauto für Carsharing in Städten elektroauto-news.net vom 20.5.2019
Tesla Robotaxi – nicht so verrückt wie es klingt elektroauto-news.net vom 28.5.2019
Kosten für Elektrofahrzeuge sind zu hoch für «Catch a Car» in der bzbasel.ch vom 15.3.2019
«Enuu» sollen in Basel lanciert werden basellandschaftlichezeitung.ch vom 28.2.2019

.

bicar möchte mit ihrem Sharingkonzept ab 2020
in Winterthur, Baden und Basel
starten.

.

Weitere Artikel zu E-Scooter
Die E-Scooter von Mobility sind Geschichte tagesanzeiger.ch vom 25.10.219
Pick-e-Bike stellt E-Scooter-Pilot ein in der bzbasel.ch vom 19.12.2019

.

Weitere Artikel zu Veloleihsystemen
Langsameren Pick-E-Bikes bzbasel.ch am 8.8.2020
Wiener Linien übernehmen Citybikes standard.at am 29.7.2020
Vandalen zerstören Leihvelos in Zürich tagesanzeiger.ch (Abo) am 23.7.2020
Publibike passt die Preise an bzbasel.ch am 23.6.2020
Kampf um den öffentlichen Raum tsri.ch am 20.6.2020
Gratisvelo für Basler bzbasel.ch am 2.6.2020
Mietvelos boomen dank Lockdown srf.ch (audio) am 25.5.2020
Das Veloverleihsystem Basel mobilitaet.bs.ch am 8.4.2020
Velowege statt Parkplätze in der blauen Zone bzbasel.ch vom 30.3.2020
Leihvelos: Schluss mit Gratis tagesanzeiger.ch (Abo) vom 29.1.2020
Warum nur bockt das Publibike? im tagesanzeiger.ch (Abo) vom 22.12.2019
Ab 2021 die ersten Velos ab Verleihstation zu mieten bzbasel.ch vom 7.11.2019
Nicht schon genügend private Velos unterwegs? bzbasel.ch vom 3.11.2019
Basel will 2000 neue Leihvelos beschaffen telebasel.ch vom 2.11.2019
Für Expansion fehlt das Geld bzbasel.ch vom 2.9.2019
Veloverleih bleibt ruinös basellandschaftliche.ch vom 30.7.2019
Auf 3 Rädern das Verkehrsproblem lösen tagesanzeiger.ch vom 30.7.2019
Publibike in Bedrängnis velojournal.ch vom 4.7.2019
Plötzlich stört das grüne Velo nzz.ch vom 11.3.19
Sharing-Systeme in der Schweiz www.bikesharing.ch
Der Boom der Leihvelos www.beobachter.ch vom 22.11.2018
Jetzt kommt das Hybrid-Leihvelo für Biel bielertagblatt.ch vom 17.7.2018

.

Bild: Umweltzone Florenz

.
.
.

Notizen zu IT und Buchungsystemen

Der Kampf um die Gunst der ÖV-Passagiere ist hart. Fast jeder Tarifverbund in der Schweiz hat eine eigene App, in der Nutzer Tickets kaufen können. Auch die SBB stellt für den Dezember 2019 eine solche App vor, welche das Buchen der ganzen Mobilitätskette abgedecken soll, vom Auto, Velo, Zug bis zum E-Trottinett.

Anlässlich der Ankündigung der SBB hat der tagesanzeiger.ch existierende Angebote und Apps für den Bereich Personentransport zusammengetragen:

Fairtiq Die Fairtiq-App hat sich als Alternative zur SBB-App etabliert. In ihr wurde eine entscheidende Funktion eingeführt. Getrackt werden die Passagiere per GPS.
Lezzgo Seit zwei Jahren betreibt die BLS die von ihr entwickelte App Lezzgo. Die Funktionsweise ist im Grunde die gleiche wie bei Fairtiq.
Abilio Bereits 2016 startete die SOB in Zusammenarbeit mit Siemens als Technologiepartner die App Abilio. Sie war die erste App, die etwa auch Auto- und Taxifahren sowie Parkplatzangebote integriert hat. Doch das Angebot hat sich nicht durchgesetzt und wird September 2019 eingestellt.


Quelle
Diese Apps kämpfen um die ÖV-Kunden www.tagesanzeiger.ch vom 29.8.2019
Datensammeln in der Smart City in der woz.ch vom 28.11.2019

Weitere Artikel zum Thema
Kommt nun das Uber-Verbot? tagesanzeiger.ch (im Abo) vom 7.1.2020
Uber-schätzt: Die App-Mobilität löst keine Verkehrsprobleme nzz.ch (im Abo) vom 15.9.2019

.

Notizen zum E-Trottinet

So flinkt und smart die E-Trottinets angerollt kommen, so heftig werden sie schlecht geredet. Das erstaunt. Zuerst enttäuschen die Ultraleichtfahrzeuge die Experten des ökologischen Fussabdrucks wegen Wartungszyklen. Dann ist Kennern der Sharing-Konzepte der Unterhalt zu wenig sorgfälltig geplant. Andere wollen fehlende soziale Verantwortung der Betreiber erkannt haben. Fussgänger wiederum bangen um die Sicherheit auf dem Trottoir. Zuletzt die Autofreunde, denen die E-Trottinets gefährlich nahe kommen und Parkplätze für sich beanspruchen. Sind die E-Trottis noch zu retten? Wird man sich nach der Sommerposse endlich wichtigeren Themen zuwenden? Der Energiewende. Der grünen Stadt. Den Massnahmen gegen die viel zu hohen Luftschadstoffwerte und den krankmachenden Lärm.

Das E-Trottinet muss nicht heilig gesprochen werden, aber trotzdem überwiegen die Vorteile. 10 Gründe das E-Trottinet rollen zu lassen: 1. Micolino ist eine Erfindung aus Zürich. Das ist grundsätzlich erfreulich und macht Lust auf mehr. 2. Chancen auf Tempo30 steigt, seit Velo und E-Trottinet eine respektable Grösse geworden sind. 3. Ohne Stahlhülle wissen die Menschen viel besser, wie es um die Sicherheit, den Lärm und die Luftqualität auf der Strasse bestellt ist, nämlich mieserabel. 4. Das Fluten mit Fussgängern in nicht der Weisheit letzter Schluss. Eine zum Marschieren umgebaute Fussgängerzone ist keine Garantie für einen guten Ladenmix oder zahlbare Mieten. 5. Befriedigung des Bewegungstriebs durch die Fortbewegung auf dem E-Trotti ist vergleichsweise harmlos. 6. E-Trotti fördern Micromobilität und trägt damit zur besseren Verteilung der Laufkundschaft in Aussenquartiere bei. 7. E-Trottis könn(t)en wie kein anderes Verkehrsmittel mit Solarpanelen autarkt betrieben werden. 8. E-TrottiPP-Panelen zum Aufladen oder dergleichen Innovationen mehr sind gefragte Aufgaben der Fachhochschulen. 9. Wer mietet respektiert die Regeln des Teilens eher als wer kauft. Jüngere haben ganz offensichtlich weniger Mühe damit. 10. Die Stadt ist aufgefordert, Mittel und Wege zu finden, grüner zu werden. Nicht 1 Trotti steht dem im Weg.

.

.

Artikel zum E-Trottinet
E-Trottis eines schwedischen Anbieters bzbasel.ch am 15.9.2020
Volle Ladung sueddeutsche.de am 26.8.2020
Fünf Firmen vermieten E-Trottis bzbasel.ch am 23.7.2020
Nur noch drei Anbieter aktiv bzbasel.ch am 3.6.2020
Mehr Kontrolle über E-Trottis bzbasel.ch am 11.6.2020
E-Trotti-Fahrer verunfallen, weil sie betrunken sind tagesanzeiger.ch vom 10.3.2020
E-Trottinet-Wahn geht weiter. Jetzt mit Sitzen bzbasel.ch vom 11.3.2020
Circ stellt seinen Betrieb in der Schweiz ein baz.ch (Abo) vom 18.2.2020
Neue Regeln für E-Scooter auf standard.at am 19.12.19
Bundesrat (D) will E-Scooter ohne Wechselakku verbieten! energyload.eu am 11.11.2019
Zu teuer, zu langsam im tagesanzeiger.ch (Abo) vom 27.11.2019
Analysis and Modeling of Urban Shared-Mobility Studie von S. Hróbjartsson, ETH 2019
Aarau bereitet sich auf Elektro-Trottinetts vor in der aargauerzeitung.ch vom 19.11.2019
E-Trottis: Wegräumen, bitte! Eine Abrechnung im tagesanzeiger.ch vom 7.11.2019
Gleiten wir eine Ballerina im tagesanzeiger.ch vom 20.9.2019
Zusätzlich 800 E-Trottinette in Zürich nzz.ch vom 30.8.2019
Stadt Zürich droht mit Verbot der E-Trottis tagesanzeiger.ch vom 25.8.2019
Wie nachhaltig sind Elektroroller wirklich? zeit.de vom 30.7.2019

E-Bikes und E-Scooter sind viel zu schnell standard.at vom 27.7.2019
E-Bikes und E-Trottis am Rheinschwimmen basellandschaftliche.ch vom 27.6.2019
Kabinett stimmt für Zulassung der Tretroller sueddeutsche.de vom 3.4.2019
Der fahrbare Milleniumspfosten tagesanzeiger.ch 02.4.2019
Alle drängen mit E-Trottinetten und Velos nach Zürich nzz.ch 30.3.2019
Google teams up with Lime www.electrek.co 13.12.2018
Politik ist das grösste Risiko www.handelszeitung.ch 07.12.2018
Scooter-Race in der Schweiz www.srf.ch 4.12.2018

.

Bisher undenkbare Vielfalt auf den Strassen: Die US-Firma Wheels mit einem E-Trottinet zum Sitzen und Batteriewechselsystem.

.
.

Geschrieben von VELOP.CH am Freitag März 29, 2019

Permanenter Link - Category: archiv

« Die Zürcher Parkuhren kommen im digitalen Zeitalter an - V wie Velorouteninitiative »